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Fallstudie 2: Rastlos für das Gemeinwohl tätig… oder Selbstbedienung in der Korruptokratie?

März 4th, 2012 · Keine Kommentare

F.S.: Bundeskanzler Schröder kündigte 2002 an, er werde seinen besten Mann auf die wichtigste Baustelle schicken. Gemeint war der ehemalige Sozialminister in Rheinland Pfalz, Florian Gerster, auch erfahren als sogenannter Unternehmenskoordinator einer Immobilienfonds-Gruppe. Mit der wichtigsten Baustelle war die Bundesanstalt für Arbeit gemeint. Zur Übernahme seines neuen Jobs als Chef der Behörde tut Gerster sogleich was gutes indem er sein jährliches Vorstandsgehalt gegenüber dem des Vorgängers verdoppelt auf rund 250.000 Euro und damit sein Spesenkonto sich nicht benachteiligt vorkommt, verdoppelt er dieses auch.

 

Er sieht seine Hauptaufgabe in der Zusammenführung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe auf dem niedrigeren Niveau der Sozialhilfe, was dann ja auch mit Hartz IV umgesetzt wird. Gerne wettert der bei Arbeitslosen aufs Sparen bedachte Manager gegen deren ´überzogenes Anspruchsdenken` „und fährt zugleich drei Dienstwagen (7er-BMW und C-Klasse Mercedes), die für politische Ausflüge nach Berlin, am Dienstsitz in Nürnberg und am Wohnort in Worms vorgehalten werden.“ (aus „Stern“ vom 26.11.2003) http://www.stern.de/politik/deutschland/florian-gerster-der-gernegross-516203.html

1,8 Millionen € lässt er unverzüglich für die Renovierung der Vorstandsetage ausgeben, so wichtige Leute brauchen natürlich das entsprechende Ambiente. Für den schlappen Betrag von 1,3 Millionen € beauftragt Gerster ohne vorherige Ausschreibung die Berliner Medienagentur WMP EuroCom AG damit, Konzepte zu erarbeiten, die der Arbeitsagentur ein besseres öffentliches Image verschaffen sollen. Eine honorige Agentur, Aufsichtsratschef damals der ehemalige Außenminister Genscher, im Aufsichtsrat und Vorstand wirken weitere bekannte Bundestagsabgeordnete und Top Zeitungsmacher.

Das segensreiche Wirken des so rastlos fürs Gemeinwohl Tätigen trifft in der Öffentlichkeit nach Bekanntwerden derartiger Kleinigkeiten auf immer heftigere Kritik und der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit entzieht ihm im Januar 2004 das Vertrauen und er muss gehen. SPD-Mann Gerster wird Gründungsmitglied des arbeitgebernahen Fördervereins Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und als freier Unternehmensberater lässt er sich von der auf Immobilieninvestitionen spezialisierten US Fondsgesellschaft Fortress anheuern. Für diese fädelt er äußerst erfolgreich den Kauf der Berliner gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft GAGFA ein. „Auf einen Schlag übernahm die Gesellschaft die Kontrolle über rund 82.000 Wohnungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte.“ (heute Deutsche Rentenversicherung) s. Jürgen Roth, Der Deutschland Clan. Eichborn Verlag 2006, S. 45.

Unter der Überschrift „GAGFAH lässt Häuser verkommen“ berichtet die Onlineausgabe der Rheinischen Post einige Jahre später (27.3.2009): „Der Wohnungskonzern Gagfah will die Mieten seiner Wohnungen bis an die Grenze des gesetzlich Erlaubten erhöhen. Außerdem muss er auf Druck des US-Investors Fortress die ohnehin schon kritisch geringen Renovierungskosten senken. Insider berichten schon jetzt von skandalösen Fällen. Leidtragende sind tausende Mieter.“ http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/gagfah-laesst-haeuser-verkommen-1.477275 ´Dafür kann ich nichts`, wird der Einfädler des Deals sich bestimmt selbst zugute halten. Und damit hat er sogar recht. Dafür können eigentlich hauptsächlich immer die was, die sich so was gefallen lassen. Ich werde Anfang der Woche mal bei der Bundesanstalt für Arbeit anrufen und fragen, ob das Salär des neuen Chefs nach Ausscheiden Gersters wieder auf die Hälfte wie vorher zurückgeschraubt wurde. Bin echt gespannt.

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Tags: Korruption

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