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Fallstudie 3: Der Fall Balsam und Procedo

März 18th, 2012 · Keine Kommentare

F.S.: Einen hervorragend beschriebenen Fall entnehme ich der Webseite zum Buch „Investigativer Journalismus“ von Johannes Ludwig, wobei ich hier nur die ersten Absätze bringe und am Schluss den Link zur Webseite direkt, um das fast unglaublich erscheinende Versagen der zuständigen Staatsanwaltschaft und weiterer Institutionen komplett zu lesen. Eine Hintergrundinformation: Procedo Chef Klindworth war über viele Jahre großer Spender und Unterstützer der Wiesbadener CDU, die ohne diese aus betrügerisch erworbenen Geldern stammenden Spenden wahrscheinlich bei Wahlkämpfen schlechter abgeschnitten hätte. Von Klindworth gesponsorte Sportvereine hatten unbestreitbare Erfolge und stürzten nach Ausbleiben der Gelder ab.

 

Mitte der 80er Jahre ist die Fa. Balsam AG aus dem westfälischen Steinhagen bei Bielefeld weltbekannt: als weltweit führender Sportbodenhersteller (»Wir bereiten dem Sport den Boden«). Sport ist ›in‹ und viele geben dafür viel Geld aus, weshalb sich an dieser profitablen Branche auch die deutschen Großbanken als stille Teilhaber an der Balsam AG beteiligt haben. Was nur wenige wissen: Die Firma ist eigentlich längst bankrott. Dass alles noch weiter funktioniert, also rund 1.600 Mitarbeiter regelmäßig Lohn und Gehalt beziehen, hängt damit zusammen, dass Balsam nicht nur Sportböden herstellt, sondern vor allem eine ausgeklügelte Fälscherwerkstatt ist. Das, was man hingegen in der Wirtschaftspresse und in den regionalen Zeitungen liest, ist Fiktion.

Tatsächlich funktioniert das Geschäft so: Um kleine Aufträge in gigantische Großaufträge umzumünzen und Umsatz und Gewinn aufzublähen, werden Luftgeschäfte fingiert. Die Differenz wird in Spekulationsgeschäfte ›investiert‹, und zwar in gigantischer Größenordnung.

Beispiel: In der Nähe von Colmar hatte die französische Gemeinde Pfastatt-Richwiler für ihr Sportzentrum einen Bodenbelag geordert. Während der Stadtkämmerer dafür den ausgemachten Rechnungsbetrag im Wert von umgerechnet 51.911,10 DM (26.541,72 €) einkalkuliert, wird derselbe Auftrag in den Balsam-Büchern in einer Höhe von 3.449.484,57 DM (1.763.693,40 €) verbucht, also mit dem 66fachen (!) Auftragswert. Balsam stellt daher zwei Rechnungen aus. Eine ist für den Kunden bestimmt. Eine zweite fingierte (und erhöhte) Rechnung reicht Balsam an die Fa. Procedo in Wiesbaden weiter, Europas größtem Vorfinanzierungs-Unternehmen, an dem Balsam selbst (was keiner weiß), vor allem aber auch die Allianz Versicherung über eine Tochter beteiligt ist.

Procedo wiederum nimmt die Rechnung, die von dem Kunden erst später bezahlt werden wird, entgegen und gibt in fast gleicher Höhe darauf einen Kredit an die Balsam AG: für einen Auftrag im Wert von rd. 52.000 DM insgesamt über 3 Millionen DM. Balsam nimmt das Geld und spekuliert mit der Differenz weltweit an den Devisen- und Wertpapiermärkten. Das geht mal gut und geht mal schief. Angesichts der Höhe dieser Luftgeschäfte, die man macht, spielt das keine Rolle, denn unterm Strich bleibt genügend übrig, um die Beschäftigten zu bezahlen und den eigenen Firmenbossen Vorstandsgehälter in Millionenhöhe zu garantieren. Solange sich das gigantische Finanzierungskarussell (noch) dreht und alle ihren Reibach machen (können), droht keine Gefahr.

Ein ehemaliger Prokurist einer Auslandstochter, der nicht weiter mitmachen wollte und inzwischen in den USA selbständig ist, entschließt sich 1992 zu einer Anzeige wegen Betrugs. Zu diesem Behufe stellt er einen dicken Ordner voller kopierter Unterlagen, Belege, Fotos von Sportanlagen nebst ihrer Adressen usw. zusammen. Insgesamt fünf Ordner sind es, die im Dezember 1992 an

  1. die Staatsanwaltschaft Bielefeld (Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität)

  2. die Steuerfahndung dort

  3. das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in Hamburg

  4. die Zeitschrift Manager Magazin (SPIEGEL-Tochter) sowie

  5. an den Verein Business Crime Control (vgl. im Buch S. 352) in Maintal bei Frankfurt/M. gehen.“

Wer glaubt, jetzt wurde dem Betrug ein schnelles Ende bereitet, der irrt. Lesen Sie selbst weiter:

http://www.recherchieren.org/view.php?glikey=90

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