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„Klein in der Leistung, aber groß im Nehmen“

Januar 29th, 2012 · Keine Kommentare

F.S.: Schon Jahre vor der Privatisierung der Post (1995) waren innerhalb des Telefon- und Branchenbuchbereichs privatwirtschaftliche Strukturen durch die Hintertür eingeführt worden. Millionen von Telefonbüchern mit amtlichen kostenlosen Teilnehmereinträgen mussten in Vorinternetzeiten gedruckt und an Firmen und Haushalte verteilt werden. Ein monopolartiger Staatsbetrieb wie die Post hatte da weder das Recht noch die erforderlichen Fähigkeiten, diesen Vorgang gewinnträchtig zu gestalten auch wenn es in gewissem Umfang sogenannte gestaltete Einträge gab, die kostenpflichtig waren.

 

Gong zum großen Auftritt der Telefon-, Adressbuch- und gelbe Seiten Verlage. Herr B., Inhaber einer Detektei, der sich auch mit dem Aufbau von Branchenverzeichnissen befasst, hat mir das mal erklärt. Höhere Postbeamte, verantwortlich für die Vergabe von Druckaufträgen der dicken Branchen- und Telefonbücher, gründeten demzufolge beispielsweise über die Gattin als Strohfrau ( Alice Schwarzer wird mir auf die Schulter klopfen), Verwandte oder Freunde als Strohleute derartige Verlage. Diese wiederum vergaben Aufträge an Druckereien als Subunternehmer und kassierten dabei so viel Zwischengewinn, dass sie bald in der Lage waren, mit angeheuerten Anzeigenvertriebs-Teams unter Verwendung der eigentlich posteigenen Daten die Bücher in echte Cashmaschinen umzuwandeln.

 

Die Zeitschrift „Der Spiegel“ beschrieb in der Ausgabe vom 22.12.1986 unter der obigen Überschrift „Klein in der Leistung, aber groß im Nehmen“: „…Selbst die einzige große Freiheit, die die Post ihren Abhängigen gewährt, wurde beschnitten. Seit die Telephonbücher von privaten Verlagen mit Werbung vollgepfropft werden, spart die Post an die 200 Millionen Mark Produktionskosten je Jahr und kassiert überdies 25 Prozent ´Lizenzgebühr` von den Einnahmen der Verleger, die ihrerseits die ´amtlichen Unterlagen` benutzen und zu Geld machen dürfen.

Weil es so billiger geht, wurde die gebührenfreie Eintragung auf ein Minimaß verkleinert, das manchen Bürger zur Lesehilfe greifen läßt. Zugleich wurde der Preis für die sogenannten gestalteten Anzeigen, die besser auffallen, um bis zu tausend Prozent erhöht. …“

Tausend Prozent mehr!“ John schrie jetzt auch gegen den Lärm in der vollen U-Bahn an. „Das ist 10 mal soviel wie vorher, und das haben sich die Firmen gefallen lassen? Wahnsinn.“ „Was sollten sie machen?“ meinte ich, „eine Glaserei oder eine Detektei war total abhängig von den Werbemöglichkeiten in den dicken Branchenbüchern, so kamen in derartigen Berufszweigen leicht 10.000 bis 20.000 Mark für eine einzige Firma an jährlichen Kosten zusammen für ganz- oder halbseitige gestaltete Einträge. Am Ende der Kette muss das natürlich der Endkunde durch entsprechende Preise bezahlen.“ „Stichwort Detektei,“ rief John während der Zug quietschend in einen Bahnhof einfuhr, „der Detektiv Herr B., von dem du gesprochen hast, der betreibt doch auch Branchenverzeichnisse, dem haben sie wohl nichts getan?“ „Ganz im Gegenteil, sie jagen ihn seit vielen Jahren mit Klagen und Prozessen, als letztes habe ich von ihm gehört, dass er die Räumlichkeiten seiner Detektei in München aufgegeben hat. Wie er mir sagte, will er ein Buch schreiben, viel Glück und Erfolg damit!“

Tags: gelbe Seiten Wirtschaftskrieg

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