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Pferde- und Abgeordnetenflüsterer. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, eine Studie.

April 13th, 2014 · Keine Kommentare

F.S.: Abgeordnetenflüsterer heißen im allgemeinen Sprachgebrauch Lobbyisten. Der Unterschied in der Zielgruppe des Pferdeflüsterers und des Lobbyisten liegt auf der Hand. Wenn es um die Beurteilung der Methoden beider geht, mit denen sie ihre jeweiligen Zielvorstellungen verwirklichen wollen, wird es allerdings recht kompliziert. Strebt der Pferdeflüsterer beispielsweise das Besteigen des Pferdes an ohne dass dieses sich durch heftiges Bocken wehrt… Das ist ein schlecht gewähltes Beispiel, welches als Zielvorstellung der Aktivitäten der Lobbyisten/innen gegenüber den Abgeordneten/innen vermutlich nur recht vereinzelt vorkommt.

 

Versuchen wir es anders. Pferdeflüsterer haben als Belohnung immer Zuckerstückchen in der Tasche, welche sie nach einer gehorsamen Auftragsausführung dem Pferd auf geöffneter Hand vors Maul halten von wo dieses sie mit schlabberigen Lippen von der Handfläche absaugt und genussvoll schmatzend verzehrt. Ein solches Verhalten wäre in einem der zahlreichen netten Berliner Restaurants, wo sich Abgeordnetenflüsterer und Abgeordnete zu Arbeitsessen treffen, natürlich undenkbar. Eine erste Gemeinsamkeit fällt allerdings ins Auge. Weder im Vertragsverhältnis des Pferde- noch des Abgeordnetenflüsterers gibt es eine schriftliche, später nachweisbare Weisungs- und Ausführungsvereinbarung. Bleibt die Frage nach den Zuckerstückchen, denn ohne deren Einsatz kann der Abgeordnetenflüsterer sich nicht 100-prozentig auf die Ausführung seiner Anweisungen verlassen.

 

Wir wollen uns das an einem ganz realistischen Beispiel mit gerade aktuellen Zahlen vor Augen führen. Angenommen im Februar diesen Jahres hat ein Abgeordnetenflüsterer einer großen deutschen Bank mit einem zum für Banken zuständigen Bundestags Ausschuss gehörenden Abgeordneten geluncht und dabei folgende Idee entwickelt: „Wie sie wissen, lieber Abgeordneter, ist momentan kein Geschäft mit griechischen Staatsanleihen zu machen, weil die keine rausgeben weil die keiner kaufen würde weil sie viel zu unsicher sind. Wenn Sie dafür sorgen, dass die Bundesregierung und die Kommission in Brüssel aber das Ausfallrisiko absichern, ja, dann könnte man griechische Staatsanleihen wieder kaufen und vielleicht sogar ein bisschen was dran verdienen.“ „Wie würde dieses bisschen denn aussehen, lieber Abgeordnetenflüsterer?“

 

„Es soll möglichst unauffällig über die Bühne gehen, also nicht 10 oder 12 Prozent Rendite für die griechische Staatsanleihe wie früher, sagen wir mal nur 4,75 Prozent.“ „Und das wäre ausreichend?“ „Na rechnen Sie doch mal. Unsere Eigenkapitalquote als Bank liegt bei rund 3 Prozent. Wenn wir also für 100 Millionen Anleihen kaufen, leihen wir uns 97 Millionen bei der Europäischen Zentralbank für den EZB-Leitzins von 0,25 Prozent. Für die investierten 100 Millionen kriegen wir 4.750.000 € Zinsen im Jahr, zahlen an die EZB 242.500 € Zinsen, haben also einen Jahresüberschuss von 4.507.500 €, das entspricht aufs eingesetzte Eigenkapital bezogen einer Rendite von 150,25 Prozent pro Jahr.“ An dieser Stelle schaut der Abgeordnete sinnend vor sich auf den Tisch und der erfahrene Abgeordnetenflüsterer weiß, dass jetzt das Zuckerstückchen zum Einsatz kommen muss.

 

Wir veranstalten übrigens im Mai in Bad Wieauchimmer eine Tagung und ich habe Sie, lieber Bundestagsabgeordneter als Redner zum Thema „Kreditwirtschaft im Spannungsfeld europäischer Turbulenzen“ vorgesehen, natürlich das übliche Honorar von 25.000 €. Ihr EU Kollege xyz hat schon zugesagt, er wird sprechen zum Thema „Sicherungssysteme staatlichen und wirtschaftlichen Handelns vor dem Hintergrund internationaler Herausforderungen“. „Gerne,“ wird der Abgeordnete an dieser Stelle vielleicht sagen, „aber ich habe gar keine Zeit, eine Rede auszuarbeiten, Sie wissen, der Stress…“ „Keine Sorge,“ wird der erfahrene Abgeordnetenflüsterer dann antworten „wir haben einige Praktikanten bei uns in Frankfurt in der Zentrale im Einsatz, frisch von der Uni weg, die lassen wir zwei, drei Entwürfe schreiben und Sie suchen sich den besten aus für Ihre Rede, lieber Bundestagsabgeordneter.“

 

Ist das soweit geklärt, geht man zum mehr und mehr geflüsterten Teil der Konversation über, ähnlich wie beim Pferdeflüsterer, welcher ja viele Informationen dem Pferd leise ins Ohr sagt, ohne dass Außenstehende mithören können. „Der Praktikant hat es allerdings stark übertrieben, der neulich die Rede geschrieben hat für unser aller mit den Stimmen von ungefähr einem hundertstel Promille der Wahlberechtigten gewählten Bundespräsidenten, die der dann vor den versammelten Bankvorständen gehalten hat,“ wird der Bundestagsabgeordnete jetzt vielleicht sagen. „Wie meinen Sie?“

 

„Na, der BuPrä ist mit der Rede den Bankdirektoren doch so weit hinten reingekrochen, dass kaum mehr seine Fußspitzen rausgeguckt haben.“ Jetzt wird der Abgeordnetenflüsterer vielleicht lachen und leiser fortfahren. „Meine Kollegen von der Rüstungsindustrie sollen da ja sehr erfolgreiche Arbeit leisten wie ich unter der Hand höre.“ „Doch nicht etwa ein Beratervertrag für den BuPrä, das wäre, nein, also…“ „Das vielleicht nicht,“ winkt der Abgeordnetenflüsterer an dieser Stelle vielleicht ab. „Allerdings haben Krauss Maffei und Heckler & Koch wie man munkelt eine gemeinsame Marketingabteilung zur Ankurbelung von Verbrauch und Vertrieb ihrer Produkte in Afrika und dem nahen Osten ins Leben gerufen und“ er wird noch leiser „nach Ende seiner Amtszeit soll der BuPrä Präsident dieser Marketingabteilung werden.“ Noch leiser: „Naja, wenn man sich verbessern kann…“

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Tags: Demokratie · Korruption · Satire

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