“Folgt hieraus, dass ich jede Autorität verwerfe?”

Thursday, 25. June 2009 0:17

F.S. Heute treten dieselben Präsidenten, Kanzler, Minister, Staatssekretäre von Washington über London und Paris bis Berlin für machtvolle (das finanzielle Volumen betreffend) Eingriffe des Staates in die Wirtschaft ein, die noch vor weniger als zwölf Monaten mit überlegenem Gestus grundlegende Einmischungen des Staates in die Wirtschaft als schädliches Teufelswerk gebrandmarkt haben. Bestimmt geht´s mir wie vielen, ich kann denen nichts mehr glauben. Habe gerade gesurft - wusste allerdings vorher schon ziemlich genau, wonach ich suchen muss - und habe was schon ein paar Jährchen altes, aber hochaktuelles gefunden dazu:

„Folgt hieraus, dass ich jede Autorität verwerfe? Dieser Gedanke liegt mir fern. Wenn es sich um Stiefel handelt, wende ich mich an die Autorität des Schusters; handelt es sich um ein Haus, einen Kanal oder eine Eisenbahn, so befrage ich die Autorität des Architekten oder des Ingenieurs. […] Aber ich erkenne keine unfehlbare Autorität an, selbst nicht in ganz speziellen Fragen; folglich, welche Achtung ich auch immer für die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einer Person habe, setze ich in niemanden unbedingten Glauben. Ein solcher Glaube wäre verhängnisvoll für meine Vernunft, meine Freiheit und den Erfolg meines Unternehmens, er würde mich sofort in einen dummen Sklaven und ein Werkzeug des Willens und der Interessen anderer verwandeln. Wenn ich mich vor der Autorität von Spezialisten beuge und bereit bin, ihren Angaben und selbst ihrer Leitung in gewissem Grade und, solange es mir notwendig erscheint, zu folgen, tue ich das, weil diese Autorität mir von niemand aufgezwungen ist, nicht von den Menschen und nicht von Gott. […] Ich neige mich vor der Autorität von Spezialisten, weil sie mir von meiner eigenen Vernunft auferlegt wird. Ich bin mir bewußt, daß ich nur einen sehr kleinen Teil der menschlichen Wissenschaft in allen Einzelheiten und positiven Entwicklungen umfassen kann. Die größte Intelligenz genügt nicht, alles zu umfassen. Daraus folgt für die Wissenschaft wie für die Industrie die Notwendigkeit der Arbeitsteilung und Vereinigung. Ich empfange und ich gebe, so ist das menschliche Leben. Jeder ist abwechselnd leitende Autorität oder Geleiteter. Es gibt also keine stetige und feststehende Autorität, sondern einen beständigen Wechsel von gegenseitiger Autorität und Unterordnung, die vorübergehend und vor allem freiwillig ist.“

Würde mich über einen Kommentar freuen, der den Autor dieser Sätze benennt.

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Günter Faltin: “Warenhäuser haben sich überlebt”

Friday, 12. June 2009 18:59

F.S.: Der Berliner Zeitung “Der Tagespiegel” vom 12.6.09 entnehme ich folgenden Gastbeitrag im Wortlaut:
“Die Unfähigkeit der Manager, auf postindustrielle Veränderungen zu reagieren, und die Mentalität der Angestellten, bis zum Untergang zu warten, sollten uns nicht selbstverständlich werden. Schließlich sind die Chancen, selbst zum Unternehmer zu werden, besser denn je.
In der Diskussion über drohende Arbeitsplatzverluste – zum Beispiel bei den Warenhäusern – werden leider nur konventionelle Konzepte diskutiert. Die Chancen, den Handel mit zeitgemäßer Technologie, etwa im Internet, auf eine breitere und modernere Basis zu stellen, bleiben unberücksichtigt. Die Unfähigkeit der Manager, auf postindustrielle Veränderungen zu reagieren, und die Mentalität der Angestellten, bis zum Untergang zu warten, sollten uns nicht selbstverständlich werden. Subventionen lösen die Probleme nicht. Man kann sich durchaus ein Leben ohne Warenhäuser und den immer teurer werdenden Einzelhandel vorstellen. Warenhäuser haben sich überlebt. Wie lange wollen wir es uns noch gefallen lassen, dass wir für Dinge, von denen wir wissen, dass sie nur wenige Cent in der Herstellung kosten, teures Geld ausgeben? Das fragt kein Spinner, sondern der Marketing-Papst des Internets, Seth Godin.

Mit der Differenz aus Herstellungskosten und den Preisen im Einzelhandel sind die AlbrechtBrüder steinreich geworden. Unter Blinden ist der Einäugige König, sagt das Sprichwort. Wir, die wir glauben, Aldi sei preiswert, unterliegen einer Täuschung. Wir sind die Blinden, die ökonomischen Analphabeten. Solange wir an der Konvention kleben, wir Normalmenschen taugten nicht als Unternehmer, wird sich daran nichts ändern. Die Erwartung, die Hoffnung, dass die ökonomischen Schwergewichte dieser Welt nach der gegenwärtigen Krise ethischer, verantwortungsvoller und nachhaltiger wirtschaften werden, setzt der Ignoranz noch eins drauf.

Solange es gut bezahlte Arbeitsplätze in ausreichender Menge gab, blieb die Idee, selbst unternehmerisch initiativ zu werden, den meisten Menschen fremd. Es gab auch gute Gründe, warum für Normalmenschen eine Unternehmensgründung nicht infrage kam. Die Verfügung über ausreichende Kapitalmittel, der Mangel an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, das Scheitern der Mehrheit aller Unternehmensgründungen wurden am häufigsten genannt.

Heute ist die Situation anders. Heute können wir ein Unternehmen aus Bausteinen zusammensetzen, wie beim Legospielen. Es sind professionell organisierte Bausteine, die uns die meiste Arbeit abnehmen. Und die Möglichkeiten nehmen durchs Internet noch täglich zu. Wer sich einen Internet-Shop einrichtet, bekommt die betriebswirtschaftliche Verwaltung gleich mitgeliefert. Die damit verbundenen Kosten und Risiken sind minimal. Die heutigen Chancen, Unternehmen zu gründen, sind historisch einmalig. Unternehmerisches Handeln könnte so zur Perspektive für eine ganze Generation werden.

Günter Faltin ist Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin.”

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Bravo, “Welt” korrigiert im Nachhinein ihre Berichterstattung

Tuesday, 9. June 2009 18:14

Berlin. F.S.: Ein soeben erfolgter Blick in den im vorherigen Blogbeitrag von mir zitierten Online-Artikel der “Welt” vom 4.6. zeigt eine begrüßenswerte Umformulierung des Beitrages: “Der Beschluss liegt WELT ONLINE vor. Demnach haben sich die Telegate Media AG und der Hotelbranchenbuch-Betreiber Arguscompact mit ihren Anträgen durchgesetzt.”
In einem unter dem Datum 5.6. jetzt aufgenommenen Beitrag fast identischen Inhalts heißt es an anderer Stelle: “Die nun beschlossene Löschung geht auf Anträge von Arguscompact und Klicktel zurück, ein Unternehmen, das Telegate 2008 übernommen hatte.”

Wie ich meine, ein Schritt in Richtung einer faireren Berichterstattung. Schade, dass man sich noch nicht zu einer umfassenden Information der Leserschaft über die Tricksereien der Telekomtochter DeTeMedien mit dem Ziel der Verhinderung eines Gerichtsurteils durchgerungen hat.

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Betreff Markenlöschung ´gelbe Seiten´: Nachdenkliches zum Journalismus unserer Tage

Sunday, 7. June 2009 17:33

Berlin. Fred Schumacher. Am 4. Juni berichtete die “Welt” und fast alle anderen Print- und Onlinemedien übernahmen anschließend: ´Die nun beschlossene Löschung geht auf einen Antrag von Klicktel zurück, ein Unternehmen, das Telegate 2008 übernommen hatte. Klicktel wollte die Bezeichnung `gelb.de´ für ein digitales Branchenbuch verwenden, wogegen DeTeMedien vorging. Daraufhin beantragte Klicktel 2007 die Löschung der Marke und unterstellte ein “bösgläubiges Vorgehen zum Zeitpunkt der Markenanmeldung´. Das Markenamt kommt nun zu dem Schluss, dass der Anmelderin - Telekom und DeTeMedien - hätte klar sein müssen, ´dass die Markeneintragung wettbewerbshindernd wirken würde´. Das Verhalten der Anmelderin erscheine daher ´als sittenwidrig.´”

Völlig klar, so scheint es, ein Konzern hat sich aufgerafft und entschlossen überholte Machtansprüche eines anderen Konzerns gerichtlich angefochten. Die markigen Worte des Telegate / Klicktel-Chefs Albath werden zitiert: “Wir müssen in vielen Bereichen gegen das tradierte Verhalten ankämpfen.”

Diese Darstellung balanciert haarscharf an der Grenze zur bewussten Falschinformation der Leserschaft entlang. Zuerst die Fakten: Das Patent- und Markenamt hat zwei Löschungsanträge zusammengefasst und entschieden. Der erste Löschungsantrag vom 12. April 2007 stammt von einem Kleinunternehmen (im Vergleich zu Telegate), nämlich der Detektei Arguscompact. Erst sieben Monate (im November 2007) nach diesem Antrag stellte Klicktel einen Löschungsantrag für die gleiche Marke - sehr wohl wissend, dass schon ein anderer Antrag vorlag. Obwohl die Berichterstattung der Welt zwangsläufig den Eindruck erweckt als habe Klicktel nachgewiesen, dass der Antrag auf Eintragung der Marke im Jahr 1990 von DeTeMedien von vornherein bewusst wettbewerbsbehindernd und damit sittenwidrig war, sind diese Nachweise gegenüber dem Patent- und Markenamt ausschließlich von den Inhabern der Detektei geliefert worden.

Nun kann es schon mal passieren, dass Journalisten - nicht nur die von der “Welt”, sondern auch der andren Medien - im normalen Zeitdruck nicht mehr groß nachrecherchierten und somit garnichts von den obigen Zusammenhängen wussten bevor sie schrieben. So war es aber nicht. Fakt ist etwas anderes: Bereits am 28. Mai, also volle sechs Tage vor dem Artikel in der “Welt”, hatte Arguscompact folgende Medien per ausführlicher Pressemitteilung informiert: “DPA, Reuters, apa (österreich), Bild, n-tv, rtl, Welt, Spiegel Online, openPR.de”.

Ich lebe nach wie vor in dem “Wahn”, dass wir hierzulande Pressefreiheit haben und das ist nur möglich, wenn Journalisten ihnen vorliegende Informationen auch veröffentlichen - veröffentlichen dürfen. Dürfen sie nicht? Sind sie unfähig? Verbietet ihnen jemand, ihnen vorliegende Informationen zu veröffentlichen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass den Redakteuren in den zuständigen Ressorts die oben genannten Fakten nicht bekannt waren, trotzdem sind sie verschwiegen worden. Ebensowenig kann ich mir vorstellen, dass folgende Tatsachen nicht bekannt sind:

- Die Marke war schon einmal gelöscht worden und DeTeMedien hat daraufhin 11 Millionen Euro investiert, dann zog GoYellow Media AG den Löschungsantrag nachträglich zurück.
- Den anschließenden Prozess vor dem Bundespatentgericht brachte DeTeMedien zusammen mit GoYellow zum Platzen, weil er die Löschung bestätigt hätte.
- Die 16 sogenannten mittelständischen Verlage der gelben Seiten in Deutschland mit “tausenden von Mitarbeitern” sind in Wahrheit nur 5 oder 6 Großunternehmen mit jeweils hunderten von Millionen Umsatz.
- Telegate wurde in dem Verfahren vertreten von Anwaltskanzlei Beiten und Burkharth München, das ist die gleiche Kanzlei, die schon Goyellow vertrat. Das muss ja keine Vorbestimmung sein in Bezug auf das zukünftige Verhalten des Unternehmens der DeTeMedien gegenüber, aber es ist zumindest eine wichtige Information im Zusammenhang.

Herr Becker von Arguscompact schreibt mir: “Es ist sehr enttäuschend, dass die Recherchearbeit der Detektei untergeht und nur Großunternehmen genannt werden.”
Dem kann ich nur zustimmen. Wir leben in einem Land, wo Journalisten tagein tagaus kleine Unternehmen gegenüber den Großen in der Berichterstattung massiv benachteiligen. Das steht in krassem Gegensatz zum Wert der Kleinen, sie haben in den letzten Jahrzehnten Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen wohingegen die Großen zig Millionen Arbeitsplätze vernichtet haben - und dafür mit EU-Fördergeldern belohnt wurden.
Was wäre erst, wenn…. Ich lass es lieber, sonst komm ich ins Schimpfen.

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Negativ-Preis Verschlossene Auster 2009 an den Bundesverband deutscher Banken

Saturday, 6. June 2009 22:38

Aus News Aktuell na-presseportal. Hamburg. Die Verschlossene Auster, der Kritik-Preis des Netzwerks Recherche für den “Informationsblockierer des Jahres”, geht 2009 an den Bundesverband deutscher Banken (BdB) - stellvertretend für die rund 220 Mitglieder des Verbandes. Der Bankenverband und seine Mitglieder waren in der Banken- und Finanzkrise nicht auf Seiten von Transparenz und Aufklärung. Die Vertreter der Banken tauchten ab und stellten sich der Öffentlichkeit nicht ausreichend. Wenn sie eines ihrer wenigen Interviews gaben, dann versorgten sie die Öffentlichkeit mit Ausreden. Sie weigern sich, ihre Fehler einzugestehen, Versäumnisse zu erklären und Verantwortung zu übernehmen.

“Die meisten Banken betreiben ihre Öffentlichkeitsarbeit nach dem Muster Tricksen, Tarnen, Täuschen,” sagte Dr. Thomas Leif, der Vorsitzende von Netzwerk Recherche, anlässlich der Verleihung der Verschlossenen Auster während der Jahreskonferenz der Journalistenvereinigung in Hamburg. “Mit dieser Methode versuchen sie von ihrer eigenen Verantwortung für die Finanzkrise abzulenken. Mit ihrem Motto ‘Schuld sind immer die anderen’, sind sie bislang beängstigend erfolgreich.”

Die Laudatio auf den Preisträger hielt Professor Rudolf Hickel, der Direktor des Institutes Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen. Er sagte: “Der Bundesverband deutscher Banken hat sich diesen Preis wahrhaft erarbeitet. Gemessen an dem Kriterium der Jury, Honorierung für Informationsblockierung, hat der Bundesverband deutscher Banken die Ansprüche sogar übererfüllt. Denn nicht nur Informationsblockierung, sondern Fehlinformation, Halbwahrheiten, lobbyistische Rechtfertigungen kennzeichnen die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes.”

In seiner Stellungnahme zur Preisverleihung sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bankenverbandes, Prof. Dr. Manfred Weber, in Hamburg: “Ich kenne zu viele Fälle, in denen Banken unglücklich oder gar nicht kommuniziert haben. Da schließe ich auch den Bankenverband nicht aus.” Den pauschalen Vorwurf, die Banken hätten die Aufklärung behindert, weise er jedoch zurück. Die Arbeit des Verbands sei “hochgradig transparent”. Gleichwohl brauche er die kritische Begleitung durch Journalisten und Wissenschaftler. “Jeder Fehler ist ein Fehler zu viel”, sagte Weber.

Ein öffentliches Schuldeingeständnis der Banken ist nach Ansicht von Netzwerk Recherche die Voraussetzung, um mit einer sachlichen Analyse der Fehler des gesamten Bankensystems zu beginnen. Ein solches Eingeständnis und eine solche Debatte sind nötig, um eine künftige Finanz- und Wirtschaftskrise frühzeitig zu verhindern bzw. geeignete Frühwarnsysteme wirken zu lassen. Banken haben finanzielle Instrumente manipuliert, um hohe Renditen zu ergaunern. Zu viele Banker haben bei diesem Schneeballsystem bereitwillig mitgemacht und stehlen sich heute aus der Verantwortung.

Wir Journalisten müssen unsere Mitschuld, zu wenig recherchiert und zu wenig nachgefragt zu haben, aufarbeiten und wir wollen bei der Jahrestagung und darüber hinaus unseren Beitrag leisten. Aber zu oft kamen wir nicht dazu, den Verantwortlichen Fragen zu stellen. Sie standen nicht Rede und Antwort. Und wenn doch, dann beließen sie es beim Hinweis, die Bankenkrise sei eigentlich von amerikanischen Politikern verursacht, weil sie die Bank Lehman Brothers in Konkurs gehen ließen. Das sagte beispielsweise der bis März amtierende Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, und so steht es als Erklärung der Krise auf der Homepage des Bankenverbandes. Zu selten und zu wenig haben er und seine Kollegen sich in der Debatte der Frage gestellt, worin ihre Schuld besteht. Haben nicht deutsche Banken allzu bereitwillig mitgeholfen, große Risiken des amerikanischen Immobilienmarktes zu teilen und handelbar zu machen? Wurde die Krise nicht erst durch diese Bereitschaft, unüberschaubare Risiken zu teilen und dann kunstvoll und undurchschaubar zu verpacken, überhaupt erst möglich? Davon gehen wir aus.

Bankenpräsident Klaus-Peter Müller sagte im Oktober 2008 dem Spiegel: “Wir Banken haben zu lange und zu stark auf die Ratings geschaut und uns nicht mehr mit den zugrunde liegenden Risiken der Papiere beschäftigt. Wir müssen wieder zurück zu den alten Tugenden des Bankgeschäfts und für mehr Transparenz sorgen.” Es klang wie der Anfang eines Schuldeingeständnisses. Aber Fehler im System stellte er umgehend in Abrede. Er behauptete: Man habe aus den Fehlern gelernt. Dabei warten wir noch immer auf eine tiefer gehende, umfassende Aufarbeitung, auf Transparenz und Selbstkritik. Müller sagte: Schwerwiegende Fehler seien nur von einigen, nicht von vielen gemacht worden. Man dürfe Bankenmanager nicht pauschal verantwortlich machen. Ein Bericht der Wirtschaftswoche vom Februar 2008, der im April den Henri-Nannen-Preis für investigative Recherche erhielt, legt das Gegenteil nahe und deutet darauf hin, dass Versagen kein Einzelfall war, sondern mit System betrieben wurde: Bankangestellte sind demnach wie Drückerkolonnen organisiert, sind unter Druck gesetzt und sie beraten ihre Kunden deshalb nicht, schreibt die Autorin Melanie Bergermann, sondern sie belügen sie, und haben nur ihre Verkaufszahlen im Auge. Diese und andere unverantwortlichen Vorgehensweisen müssen deutsche Banken aufklären und öffentlich machen.

Die Banker drücken sich um Analyse und Selbstkritik. Dabei haben “auch angesehene deutsche Bankinstitute beim Umgang mit Risiko zunehmend Durchblick und Weitsicht verloren”, wie Bundespräsident Horst Köhler den Banken vorwirft. Das “Auftürmen von Finanzpyramiden”, wie Köhler ihr Vorgehen nannte, wurde für Banken zum Selbstzweck. Sie übernehmen kaum Verantwortung für ihre Risikoentscheidungen. “Bis heute warten wir auf eine angemessene Selbstkritik der Verantwortlichen”, sagte Köhler am 24. März in seiner Berliner Rede. Was Köhler damals sagte, gilt - abgesehen von der erwähnten Ausnahme - bis heute.

Der Kritik-Preis wurde in diesem Jahr zum achten Mal verliehen. Er steht als mahnendes Symbol für mangelnde Offenheit und Behinderung der Pressefreiheit von Personen oder Organisationen gegenüber den Medien. Die Preisträger erhalten zur Erinnerung und als Mahnung zur Besserung eine Skulptur des Marburger Künstlers Ulrich Behner.

Die Preisträger werden im Vorstand von Netzwerk Recherche gewählt. Preisträger der vergangenen Jahre waren der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily, der Lebensmittelkonzern ALDI, die Hypo-Vereinsbank (stellv. für die DAX-Unternehmen), der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der ehemalige Chef der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, der ehemalige russische Präsident Wladimir Putin und im Vorjahr das Internationale Olympische Komitee und stellvertretend IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Um die Skulptur zu erhalten, muss sie allerdings abgeholt oder mit einer schriftlichen Gegenrede verdient werden - was vor Manfred Weber, dem Geschäftsführer des Bankenverbandes, bislang nur Otto Schily und Hartmut Mehdorn auf sich nahmen.

Pressekontakt:
Medien-Rückfragen: Dr. Thomas Leif (Tel. 0171/9321891)

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Markenamt stellt fest: Marke “gelbe Seiten” sittenwidrig, wettbewerbswidrig und bösgläubig

Tuesday, 2. June 2009 0:36

Berlin. F.S.: Wie Detektei Arguscompact - Antragstellerin auf Löschung der ersten aus 1990 stammenden Wortmarke “gelbe Seiten” der DeTeMedien - mitteilt, hat das Patent- und Markenamt diese jetzt wieder gelöscht und erstmals festgestellt, dass der Eintragungsantrag damals bewusst auf die sittenwidrige Aushebelung des freien Wettbewerbs abzielte.

Am 28. Mai direkt vor Pfingsten ging das Urteil bei der Detektei ein, die schon seit Jahren von der Telekomtochter wegen angeblicher Markenrechtsverletzung im Zusammenhang mit einem von ihr betriebenen Branchenverzeichnis drangsaliert wird. 2006 war diese Marke schon einmal, damals auf Antrag der Goyellow Media AG gelöscht worden. Allerdings hatte damals die DeTeMedien einen hohen Millionenbetrag eingesetzt und Goyellow so zur nachträglichen Rücknahme des Löschungsantrags überredet / bezahlt, “bestochen” wird man nicht sagen dürfen, weil man damit eine Klage riskiert.

Es ist Verdienst der Inhaber der Detektei, dass sie sich nicht ins Bockshorn jagen ließen und jetzt sogar mit den von ihnen vorgelegten Beweisen eine nachträgliche Verurteilung des Konzernvorgehens als sitten- bzw. wettbewerbswidrig erreicht haben. Damit sind endlich alle Sperenzchen und Nebelbomben der DeTeMedien und ihres dafür eingesetzten internationalen Anwaltskonzerns als Spiegelfechterei bestätigt und ein Rest an Anstand würde jetzt der Konzernleitung gut zu Gesicht stehen. Eine Farbe kann man nicht als Marke monopolisieren, das anerkennen, alle Prozesse abblasen und sich aufs Tagesgeschäft zum Nutzen ihrer Kunden konzentrieren, das wäre Größe. Mal sehen, ob ein Tochterkonzern der deutschen Telekom diese Größe aufbringt.
Die Informationen der Detektei Arguscompact finden Sie hier:

http://www.arguscompact.de/gelbe-seiten-marke-markenloeschung-rechtsstreit-arguscompact-2007-2008-2009-infos.htm

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Mafia-Methoden in der Öffentlichkeitsarbeit

Thursday, 28. May 2009 19:36

Folgende Information der Organisation Lobbycontrol muss jeden auch nur ein wenig an der Aufrechterhaltung einer demokratischen Gesellschaft Interessierten aktivieren:

“Wir enthüllen: Verdeckte Lobbyarbeit bei der Bahn.

Während der Auseinandersetzung um die Privatisierung ließ die Bahn von einer Agentur verdeckte Pro-Privatisierungs-Propaganda durchführen. In einer Antwort auf Recherchen von LobbyControl bestätigte die Bahn heute schriftlich, dass so genannte “no badge”-Aktivitäten stattgefunden hätten. No badge-Aktivitäten bezeichnen Öffentlichkeitsmaßnahmen wie Meinungsumfragen, Leserbriefe, Beiträge in Online-Foren, vorproduzierte Medienbeiträge und Blog-Beiträge, bei denen
Urheber oder Auftraggeber nicht erkennbar sind.

Beauftragt wurde demnach die Lobby-Agentur “European Public Policy Advisers GmbH” (EPPA), das Auftragsvolumen belief sich auf 1,3 Mio. Euro. Innerhalb dieses Auftrags beauftragte EPPA nach schriftlicher Auskunft der Deutschen Bahn wiederum die Denkfabrik berlinpolis e.V. mit
PR-Maßnahmen. In der Vergangenheit hatte Berlinpolis immer Beziehungen zur Deutschen Bahn AG bestritten.

Berlinpolis griff 2007 massiv in die Debatte um die Bahnprivatisierung ein - ebenso in den Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Insbesondere publizierte die Denkfabrik mehrere Meinungsumfragen zur Bahnprivatisierung und zum GDL-Streik, die zu bahnfreundlichen Ergebnissen führten und so in den Medien
aufgegriffen wurden. So wurde offensichtlich versucht, die Öffentlichkeit und die politische Debatte dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Bahn in die öffentliche Debatte eingriffen.

Die Bahn hatte in den vergangenen Tagen aufgrund unserer Nachfragen eine Prüfung durch die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG durchführen lassen. Das Ergebnis liegt der Bahn seit gestern vor, wurde uns bisher aber nicht zugänglich gemacht. Der Vorstandsvorsitzende der
Bahn Rüdiger Grube erklärte inzwischen mit einer Pressemitteilung er werde “umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen”.

Wir fordern nun von der Bahn, dass sie umfassend die Öffentlichkeit darüber informiert, wer in ihrem Auftrag welche Lobbyarbeit betreibt. Auch die Politik ist gefordert: sie muss umgehend eine
Untersuchung dieser verdeckten PR-Methoden der Deutschen Bahn AG einleiten. Zudem brauchen wir dringend mehr Transparenz über die Arbeit von Denkfabriken und Lobbyagenturen in Deutschland. Wir fordern die Bundesregierung und den Bundestag auf, umgehend eine Initiative für ein verpflichtendes Lobbyistenregister zu starten, in dem alle Lobbyistinnen und Lobbyisten ihre Kunden und Finanzierung offen legen müssen.

Für solche Recherchen brauchen wir Ihre Unterstützung!

Diese Geschichte der verdeckten Lobbyarbeit der Bahn steht nicht allein. Schon mehrfach haben wir ähnliche Fälle aufgedeckt (z.B. der Straßenbaulobby oder der Software-Branche). Und mit Sicherheit liegt eine große Zahl solcher Lobbyskandale weiterhin im Dunkeln. Recherchen wie diese sind aber nur möglich, wenn viele Spenderinnen und Spender unsere unabhängige Arbeit finanzieren. Seien Sie dabei – mit einer Spende oder einer Fördermitgliedschaft. Denn wir wollen uns nicht an der Nase herum führen lassen!

Die verdeckte Lobbyarbeit der Bahn zeigt: Mehr Transparenz ist dringend nötig. LobbyControl streitet dafür. Jeden Tag. Unterstützen Sie uns dabei. Jeden Monat – mit Ihrer Fördermitgliedschaft!”
https://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/foerdermitglied/

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Fortsetzung: Die tollsten Werbespots….

Wednesday, 6. May 2009 9:16

Heute setze ich die Reihe von Kurzbeschreibungen ausgewählter Werbespots der vergangenen zwanzig Jahre fort: Wenn sie das lesen, werden Sie sich mit Sicherheit an den einen oder anderen erinnern können. Darauf baue ich. Vielleicht wissen Sie ja, wo der beschriebene Werbefilm heute noch anzuschauen ist, informieren Sie mich bitte, oder laden Sie ihn doch einfach hoch:

http://www.youtube.com/group/gelbevideos

Ein Opa kommt mit Enkelin in ein italienisches Restaurant. Er bestellt Pizza. Die Kleine mit Piepsstimme: „A Pepsi, please.“ Der große Barmann schaut zu ihr runter, sagt: „A Pepsi, sure dear curly.“ Man sieht ihn aus dem Zapfhahn ein Glas Coca Cola zapfen, das gibt er ihr: „Here we go cookie.“ Das Mädchen nimmt einen Schluck und spricht plötzlich mit der Stimme des „Paten“ (Marlon Brando): „Hey come here, I want you to listen very carefully to what I´m going to tell you.” Die Gäste im Lokal hören auf zu essen, blicken zur Bar. Mädchen weiter mit Stimme des Paten: „We both know I ordered a Pepsi Cola….“ der Koch kaut nervös auf dem Kaugummi und der Barmann schaut das Mädchen entgeistert an, „…and now you insulted me and my entire family by offering me this.“ Sie zeigt wegwerfend auf die Coca Cola. „What is this? I´m a civilized person. I´d like to give you a chance to make amends, capice?” Der Barmann nickt unterwürfig und stellt ihr eine Dose Pepsi Cola hin und sagt “Here we go.” Alle Gäste verfolgen gebannt die Szene. Das Mädchen nimmt die Dose, „thank you“ und trinkt. In diesem Moment platzt die Kaugummiblase des Kochs mit einem lauten Knall. Gäste und Barmann werfen sich unter die Tische. Musik setzt ein. Das Mädchen trinkt und sagt „Grazie“ als alle wieder vorgekrochen sind. Einblendung Pepsi Logo und „The Joy of Cola“. (Agentur BBDO, New York, 1996)

Eine Frau kommt in einer Bibliothek hinter einem Bücherregal vor. Sie geht breitbeinig wie mit extremen O-Beinen. Die Bibliothekarin geht ebenfalls mit O-Beinen durchs Bild. Jogger laufen mit extremer O-Bein-Stellung durch einen Park. Hundebesitzer mit O-Beinen führt O-beinige Bulldogge spazieren, Menschen auf einem Bahnsteig alle mit extremen O-Beinen. Einblendung Schrift: „Would you like to walk like this?“ Menschenmassen mit O-Beinen im Bild. Einblendung: „Neither does your kid.“ Jetzt läuft ein Kind vor weißem Hintergrund nur mit einer Windel bekleidet ohne O-Bein-Stellung ins Bild. Einblendung Logo und Schrift: “Up & Go Windeln – Made for walking.”

Ganz wichtig: Veröffentlichen Sie Ihre Videos über verschieden Kanäle, um so möglichst viele Menschen zu erreichen: Natürlich bietet sich hier unter anderem auch das moderne Branchenverzeichnis

http://www.gelbevideos.com

an.

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“Schweinegrippe: Virus erfasst Marketing-Büros”

Friday, 1. May 2009 17:45

Zitiert nach pressetext.de: “New York (pte/01.05.2009/06:10) - Das weltweit Aufsehen erregende und weithin unter dem Namen “Schweinegrippe” bekannte H1N1-Virus hat einen neuen Werbetrend ausgelöst. So verknüpfen Unternehmen ihre Botschaften neuerdings gerne mit der Krankheit. Wie das Wall Street Journal berichtet, erkennen Firmen verschiedenster Branchen darin ein Potenzial, um den Absatz ihrer Produkte anzukurbeln. So soll die um sich greifende Hysterie um den H1N1-Virus nicht nur der Pharmaindustrie zugute kommen. Darüber hinaus nutzen etwa Hersteller von Hygieneprodukten wie Seife die derzeit hohe Aufmerksamkeit. Selbst Produzenten von Designer-Gesichtsmasken zum Infektionsschutz versuchen, aus der Schweinegrippe Profit zu schlagen.”

F.S.: Dazu fallen mir einige Fragen ein. Beispielsweise, wie stellen die Werbemacher sicher, dass die Hysterie auch lange genug am Kochen gehalten wird, dass die sicher nicht ohne Kosten hergestellten Werbemittel auch rentabel zum Einsatz kommen? Oder, wenn sich diese Kampagnen als erfolgreich erweisen, wie stellt man sicher, dass die nächste auf einer Krankheit aufbauenden Panikwelle auch wirklich kommt? Schließlich müssen Methoden, die sich einmal bewährt haben, immer wieder in leicht variierter Form wiederholt werden, um ihre segensreiche Wirkung voll zur Entfaltung zu bringen.

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DeTeMedien darf gelbe-seiten.com als Domain verwenden

Thursday, 30. April 2009 14:27

F.S.: Aus jurablogs.com entnehme ich aktuell: “Die DeTeMedien Deutsche Telekom Medien GmbH hat vor dem Schiedsgericht der World Intellectual property Organization WIPO die Domain gelbe-seiten.com erstritten.”

Wahrlich ein toller Erfolg. Man hat was erstritten, was meiner Kenntnis nach nie jemand bestritten hat, nämlich dass die gelben Seiten sich gelbe Seiten nennen dürfen und zwar in einer URL. Natürlich wird man das nutzen, um mit allerhand Wortgeklingel den Eindruck zu erwecken, das hätte auch was mit einer Marke zu tun. Hat es nicht. Das deutsche Patent- und Markenamt hat die ursprünglich mal eingetragenen Marken gelbe Seiten gelöscht, weil es sich um allgemeingültige Verkehrsbegriffe handelt. Den von der DeTeMedien daraufhin beim Bundespatentgericht angestrengten Beschwerdeprozess haben sie selbst zum Platzen gebracht als absehbar war, dass das Patentgericht das Löschungsurteil bestätigen wird. Das ist Fakt.

Alles andere sind Winkelzüge, um sich Möglichkeiten offenzuhalten, kleinere Mitbewerber zum Aufgeben zu zwingen, so wie man es schon seit Jahrzehnten macht. Die Methode ist ebenso einfach wie brutal und skandalös, eines Rechtsstaats nicht würdig: Man klagt gegen den Kleinen, der irgendwie die Farbe gelb verwendet mit einem so hohen Streitwert, dass der aufgibt auch wenn er im Recht ist, oder im Laufe des Verfahrens wirtschaftlich kaputt geht.

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